Uncanny Valley
C-Prints, 30 x 40 cm, 70 x 100 cm, 2007 – 2011


Die Bilderserie „Uncanny Valley“ (dt.:“unheimliches Tal“) ist nach einer populären Hypothese betitelt, 1970 aufgestellt vom Roboteringenieur Masahiro Mori. Der Begriff „Uncanny“ geht darüber hinaus auf den Aufsatz „Das Unheimliche“ („The Uncanny“) von Sigmund Freud und das Konzept des Unheimlichen von Ernst Jentsch zurück. Die „Uncanny Valley“-Hypothese bezeichnet einen empirisch messbaren Effekt in der Beobachtung der emotionalen Resonanz auf künstliche menschenähnliche Figuren.

Nach Mori sind die ausgelösten Emotionen umso positiver und stärker empathisch, je mehr Ähnlichkeit ein Objekt mit einem Menschen hat - zumindest bis zu einem gewissen Punkt; darüber hinaus sind starke negative Reaktionen, Abstoßung und Aversion festzustellen. Bei steigender Menschenähnlichkeit erhöht sich der Empathiewert wieder, bei 100%-iger Ähnlichkeit ist eine ähnliche starke positive Reaktion messbar, ähnlich der Konfrontation Mensch – Mensch.

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für diesen Effekt. Einerseits das evolutionspsychologische: BetrachterInnen interpretieren Mikroanomalien, die menschenähnliche Wesen von Menschen unterscheiden, unbewusst als genetische Defekte. Eine Fortpflanzung dieser Individuen würde eine Gefahr für den Genpool bedeuten. Ein anderes Modell besagt, dass menschenähnliche Roboter und Figuren an Menschenleichen erinnern und dadurch negatives Empfinden auslösen.

Moris Theorie wird in Fachkreisen von Computeringenieuren wie Sara Kiesler und David Hanson heftig als pseudowissenschaftliche kritisiert: weder gäbe es Beweise noch Widerlegungen dieser Theorie. In der Bildserie „Uncanny Valley“ setze ich mich mit dieser Hypothese auseinander. Ich versuche von meiner Person ausgehend die 100%ige Menschenähnlichkeit zu reduzieren, indem ich als in der Art einer Schaufensterpuppe posiere und am Foto digitale Korrekturen durchführe. Beim Betrachten der Bilder soll der „Uncanny-Valley“-Effekt eintreten und Ablehnung oder ähnliche negative Gefühlsreaktionen auslösen.

Meine Selbstinszenierung kreist um das Bild der Frau in der Gesellschaft, ihren Objektstatus. Das Theatralische daran erlaubt mir, mit verschiedenen Identitäten zu spielen und mich sowohl mit allgemein anerkannten Schönheitsidealen als auch populärwissenschaftlichen Thesen der Attraktivitätsforschung auseinanderzusetzen. Im Spiel mit verschiedenen Rollen als Künstlerin und Frau reflektiere ich weiters die Funktionalisierung und Instrumentalisierung des weiblichen Körpers. (vgl. Eiblmayr: S.137 – 140).

„Puppen, Mannequins, Wachsfigurenkabinette, Roboter, Marionetten, gemalte Kulissen, Gipsfiguren, Schaufensterpuppen, verborgene Räderwerke, Mimikry und Illusion: All das ist Teil des magischen und listigen Universums des Fetischisten. Zwischen Leben und Tod liegend, belebt und mechanisch, hybride Kreaturen und solche, die die Hybris geboren hat, sie alle können mit Fetischen verglichen werden. Und wie Fetische geben sie uns für einige Zeit das Gefühl, daß es eine Welt gibt, die nicht von unseren allgemeinen Gesetzen beherrscht wird, eine phantastische und unheimliche Welt.“ (Chasseguet-Smirgel S. 130)
Literatur:

EIBLMAYR, Silvia: Der weibliche Körper in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Reimer, Berlin 1993
CHASSEGUET-SMIRGEL, Janine: Kreativität und Perversion. Nexus, Frankfurt am Main 1986.