Tiffany - Tableau en vie
2008, Diaschau aus 35 Dias.

Ein Tableau Vivant kann als beispielhaft für die Anwendungsweisen des kulturellen Bildgedächtnisses gesehen werden. Wir imitieren lustvoll Gesehenes und generieren durch diesen Akt neue Erfahrungen, neues Wissen, neue Bilder.

Lebendes Buffet oder lebendiges Buffet lautet die Bezeichnung für eine spezielle Art der Unterhaltung, die von Stripteasevermittlungsagenturen oder Partyplanern angeboten wird. Ein nackter Mensch fungiert als Unterlage oder Trägerinstanz für unterschiedliche Speisen, die im Laufe der Aktion von den Anwesenden, meist ohne Zuhilfenahme der Arme, aufgegessen werden. Der durch weibliche Attribute markierte Körper scheint gemeinhin gefragter als dessen busenbares Pendant. Überlegungen zu Kannibalismus, dem Objektstatus des Frauenkörpers, Nekrophilie und der Vorstellung einer regungslosen Tiermutter, die ihre Nachkommen säugt, liegen nahe.

Das in der ironischen Umgangsbezeichnung dieses Phänomens als „Sushi auf Uschi“ vermittelte Frauenbild, sowie der unterschwellig assoziierte Stabreim zu einer Bezeichnung für das weibliche Geschlecht, lösen seit ich diese Wörter zum ersten mal gehört habe ambivalente Reaktionen in mir aus. Die Verdinglichung des weiblichen Körpers gilt es doch grundsätzlich abzulehnen. Als sich mir die Gelegenheit bot eine derartige Darbietung zu erleben habe ich sie mit der Kamera beschildet wahrgenommen. Es bleibt zu hinterfragen, was meine Haltung dem lebendigen Buffet und dessen vermeintlicher Inhaltlichkeit gegenüber ist. Ich habe weder die Stripperin bezahlt, noch den Raum gemietet, noch die lüsternen Blicke gelenkt. Dennoch bin ich als Schauende und Fotografin aktiver Teil der Szenerie zwischenmenschlicher Geschehnisse und der Leibhaftig-Werdung eines Bildes, ein Tableau Vivant par Excellence.