ZEICHENWETTBEWERB: SUSI'S RÜCKEN


Ich habe meinen eigenen Körper als lebende Leinwand zur Verfügung gestellt. Im Rahmen eines internationalen Zeichenwettbewerbs habe ich Personen aus unterschiedlichen Kontexten um ihre Teilnahme ersucht. Durch diverse Verteiler und Mailinglisten wurden ca. 20.000 Personen erreicht. 50 Entwürfe sind bis zum Einsendeschluss an mich gesendet worden.


Die sadistisch-exhibitionistischen Züge der Arbeit und die Hinterfragung von Mechanismen der Zensur, des Wettbewerbs und der Jury stellen für mich die zentralen Aspekte der Arbeit dar; ebenso das Prozesshafte und Performative. Eine komplette Dokumentation der Entstehung, des Emailverkehrs, der medialen Repräsentation und der Ressentiments konstituieren die Arbeit ebenso wie die Entwürfe, die Ausschreibungsunterlagen und die Dokumentation der Jurysitzung.

Am 8. Jänner 2009 kam es in der vierköpfigen Jury, der ich auch angehörte, wider Erwartens nicht zu einer Einigung. Es konnte nach der mehrstündigen Sitzung im Protokoll nur noch festgestellt werden, dass es keine Gewinnerin und keinen Gewinner gibt. Die Jury hatte sich in zwei Lager gespalten. Ein Teil wollte einen minimalinvasiven Vorschlag durchsetzen und die anderen haben einen radikalen, sehr invasiven Entwurf befürwortet. Während der Jurysitzung wurde klar, dass eine Zeichung niemals mehr als ein unzulängliches Symbol für eine manifeste Täowierung sein kann und dass es, trotz meiner absoluten Bereitschaft das Projekt umzusetzen, im Moment der Jurierung doch zu Überlegungen kam, mit denen ich nicht gerechnet hätte, wie zum Beispiel, ob ich tatsächlich mit dem betreffenden Motiv leben kann, ob ich es nicht doch bereuen werde und welche Motive die Teilnehmenden tatsächlich hatten um an dem Wettbewerb teilzunehmen.

In der Body Art wurden der Körper im Schmerz und der exponierte KünstlerInnenkörper zum Schauplatz für diverse Unterfangen. Für viele KünstlerInnen stellt bis heute die Beschäftigung mit der Kulturtechnik des Tätowierens eine Art Zwischenstop in dem mitunter als feministisch anzusehenden Werk dar (Valie Export, Katrina Daschner). Relevante Marker sind diesbezüglich die Unauslöschbarkeit, das metaphorische Einschreiben in den Körper und das Erleiden von Schmerz im Fremdvollzug durch den Akt der Tätowierung. Der oft-zitierte (weibliche) Körper als Objekt, sowie die markierte, marginalisierte Frau sind weitere Konzepte, die einer solchen künstlerische Strategie subcutan anhaften.

Ist es notwendig bereits mehrfach konstatiertes Wissen, wie um den Objektstatus der Frau, oder um die Transformation gesellschaftlicher Repression in physisches Leiden, immer wieder als Kunst zu performieren? Ist eine derartige mittelbare und fleischliche Auseinandersetzung veraltet und somit als künstlerische Strategie illegitim? In Diskussionen rund um das Projekt sind ähnliche Punkte immer wieder thematisiert worden. Ebenso die für mich erstaunliche Tatsache, dass mir besonders von älteren Personen aus meinem Umfeld nahegelegt wurde, das Projekt fallenzulassen. In der unvorhergesehenen Entwicklung und im finalen Status Quo des Wettbewerbs steckt somit möglicherweise die Krux des Inhalts und der Relevanz der Arbeit.